Niedergeschlagenheit als Alltagsphänomen
Die Stimmung der meisten Menschen wechselt.
Sie reagieren alltäglich auf freudige und traurige Ereignisse
mit den entsprechenden Gefühlen. Heiterkeit und Traurigkeit
lösen sich dabei in raschem Wechsel ab.
Bei starken oder gehäuften negativen
Erlebnissen kann eine gedrückte Stimmung auch über einige
Tage anhalten, bis wieder eine neue Befindlichkeit einsetzt. So
ist die Traurigkeit nach dem Tod eines geliebten Menschen eine
verständliche Reaktion. In der "Trauerarbeit" bewältigen
die Leidtragenden die Trennung, um sich dann wieder dem Leben
zuzuwenden. In diesem Sinne gehört der Wechsel von gedrückten
Stimmungen, Ausgeglichenheit und gehobenen Stimmungen zum Gefühlsspektrum
eines jeden Menschen. Diese alltäglichen Stimmungsschwankungen
sind jedoch fast immer klar von depressiven Erkrankungen zu unterscheiden.
Im Unterschied zu normalpsychologischen Befindlichkeitsstörungen
ist die Depression eine ernstzunehmende medizinische Erkrankung.
Depressionen werden oft unterschätzt oder es besteht in vielen
Fällen überhaupt keine Krankheitseinsicht. In Wirklichkeit
aber handelt es sich um eine lebensgefährliche Krankheit,
die wie keine andere in fundamentaler Weise die Lebensqualität
der betroffenen Menschen beeinträchtigen kann. Folgende Punkte
erlauben in den meisten Fällen eine sichere Abgrenzung der
depressiven Erkrankung von alltäglichen Befindlichkeitsstörungen:
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| 1. |
Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit. |
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2.
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Vermindertes Selbstwertgefühl
und Selbstvertrauen.
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| 3. |
Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit |
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Negative pessimistische Zukunftsperspektiven |
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Deutlicher Libidoverlust |
| 6. |
Selbstmordgedanken, erfolgte Selbstverletzungen oder
Selbstmordversuche |
| 7. |
Interessenverlust oder Verlust der Freude an normalerweise
angenehmen Aktivitäten |
| 8. |
Mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung
oder freudige Ereignisse emotional zu reagieren |
| 9. |
Schlafstörungen |
| 10. |
Morgentief |
| 11. |
Verminderter Appetit |
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Das somatische Syndrom der Depression ist
nur dann zu diagnostizieren, wenn wenigstens 4 der oben
genannten Symptome eindeutig zutreffen und über einen Zeitraum
von mindestens 14 Tage laufend bestehen. Sollte dies bei Ihnen
zutreffen , ist unbedingt ein Arzt oder Psychotherapeut Ihres
Vertrauens aufzusuchen.
Depressive Episode: Die meisten Menschen,
die an einer Depression erkranken, erleiden in ihrem Leben mehr
als eine depressive Episode. Derartige Episoden dauern unter Umständen
Wochen, manchmal auch Monate, insbesondere dann, wenn die Patienten
nicht konsequent behandelt werden oder selbstständig zu früh
mit den Medikamenten oder der Psychotherapie aufhören. Treten
immer nur depressive Episoden auf, so spricht man von einer unipolaren
Depression.
Bipolare affektive Störung: Manche
Patienten erleiden nicht nur depressive, sondern auch manische
Episoden. Manische Episoden sind gekennzeichnet durch einen unbändigen
Tatendrang, meist gehobene Stimmung, fehlendes Schlafbedürfnis,
Größenideen, häufig auch durch Kaufrausch. In
diesen Fällen spricht man von einer bipolaren affektiven
Störung.
Dysthymie: Manche Patienten leiden
an einer meist leichter ausgeprägten, aber dafür chronisch
verlaufenden Form der Depression, genannt Dysthymie.
Depressive Episoden im Rahmen unipolarer und
bipolarer affektiver Störungen sowie Dysthymie gehören
zu den wichtigsten Depressions-Diagnosen. Depressive Erkrankungen
können jedoch auch im Rahmen körperlicher Erkrankungen,
z. B. von Schilddrüsenfunktionsstörungen, oder in Verbindung
mit bestimmten Medikamenten, z.B. hochdosierter Cortisonbehandlung,
auftreten.
Postpartale Depressionen (Depression
nach Geburt) sind vom sogenannten Baby-Blues zu unterscheiden,
den bei dem Baby-Blues gibt es zwar auch eine psychische
Verstimmung mit einigen Symptomen der klassischen Depression,
doch halten diese Symptome wie fallweise leichtes Weinen, Niedergeschlagenheit,
Appetitstörungen und Schlafprobleme für gewöhnlich
nur einige wenige Tage an und treten in der Regel zwei
bis drei Tage nach der Entbindung auf. Im Gegensatz zur Postpartalen
Depression, die erst zwei bis drei Wochen nach der Entbindung
mit den typischen schon angeführten depressiven Symptomen
beginnt und durchgehend mindestens 14 Tage anhält.