Das Krankheitsbild der Depression

Niedergeschlagenheit als Alltagsphänomen

Die Stimmung der meisten Menschen wechselt. Sie reagieren alltäglich auf freudige und traurige Ereignisse mit den entsprechenden Gefühlen. Heiterkeit und Traurigkeit lösen sich dabei in raschem Wechsel ab.

Bei starken oder gehäuften negativen Erlebnissen kann eine gedrückte Stimmung auch über einige Tage anhalten, bis wieder eine neue Befindlichkeit einsetzt. So ist die Traurigkeit nach dem Tod eines geliebten Menschen eine verständliche Reaktion. In der “Trauerarbeit” bewältigen die Leidtragenden die Trennung, um sich dann wieder dem Leben zuzuwenden. In diesem Sinne gehört der Wechsel von gedrückten Stimmungen, Ausgeglichenheit und gehobenen Stimmungen zum Gefühlsspektrum eines jeden Menschen. Diese alltäglichen Stimmungsschwankungen sind jedoch fast immer klar von depressiven Erkrankungen zu unterscheiden.

Depression als Krankheit

Im Unterschied zu normalpsychologischen Befindlichkeitsstörungen ist die Depression eine ernstzunehmende medizinische Erkrankung. Depressionen werden oft unterschätzt oder es besteht in vielen Fällen überhaupt keine Krankheitseinsicht. In Wirklichkeit aber handelt es sich um eine lebensgefährliche Krankheit, die wie keine andere in fundamentaler Weise die Lebensqualität der betroffenen Menschen beeinträchtigen kann. Folgende Punkte erlauben in den meisten Fällen eine sichere Abgrenzung der depressiven Erkrankung von alltäglichen Befindlichkeitsstörungen:

Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit.
Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.
Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
Negative pessimistische Zukunftsperspektiven
Deutlicher Libidoverlust
Selbstmordgedanken, erfolgte Selbstverletzungen oder Selbstmordversuche
Interessenverlust oder Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten
Mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse emotional zu reagieren
Schlafstörungen
Morgentief
Verminderter Appetit

Das somatische Syndrom der Depression ist nur dann zu diagnostizieren, wenn wenigstens 4 der oben genannten Symptome eindeutig zutreffen und über einen Zeitraum von mindestens 14 Tage laufend bestehen. Sollte dies bei Ihnen zutreffen , ist unbedingt ein Arzt oder Psychotherapeut Ihres Vertrauens aufzusuchen.

Depressive Episode: Die meisten Menschen, die an einer Depression erkranken, erleiden in ihrem Leben mehr als eine depressive Episode. Derartige Episoden dauern unter Umständen Wochen, manchmal auch Monate, insbesondere dann, wenn die Patienten nicht konsequent behandelt werden oder selbstständig zu früh mit den Medikamenten oder der Psychotherapie aufhören. Treten immer nur depressive Episoden auf, so spricht man von einer unipolaren Depression.

Bipolare affektive Störung: Manche Patienten erleiden nicht nur depressive, sondern auch manische Episoden. Manische Episoden sind gekennzeichnet durch einen unbändigen Tatendrang, meist gehobene Stimmung, fehlendes Schlafbedürfnis, Größenideen, häufig auch durch Kaufrausch. In diesen Fällen spricht man von einer bipolaren affektiven Störung.

Dysthymie: Manche Patienten leiden an einer meist leichter ausgeprägten, aber dafür chronisch verlaufenden Form der Depression, genannt Dysthymie.

Depressive Episoden im Rahmen unipolarer und bipolarer affektiver Störungen sowie Dysthymie gehören zu den wichtigsten Depressions-Diagnosen. Depressive Erkrankungen können jedoch auch im Rahmen körperlicher Erkrankungen, z. B. von Schilddrüsenfunktionsstörungen, oder in Verbindung mit bestimmten Medikamenten, z.B. hochdosierter Cortisonbehandlung, auftreten.

Postpartale Depressionen (Depression nach Geburt) sind vom sogenannten Baby-Blues zu unterscheiden, den bei dem „Baby-Blues“ gibt es zwar auch eine psychische Verstimmung mit einigen Symptomen der klassischen Depression, doch halten diese Symptome wie fallweise leichtes Weinen, Niedergeschlagenheit, Appetitstörungen und Schlafprobleme für gewöhnlich nur einige wenige Tage an und treten in der Regel zwei bis drei Tage nach der Entbindung auf. Im Gegensatz zur Postpartalen Depression, die erst zwei bis drei Wochen nach der Entbindung mit den typischen schon angeführten depressiven Symptomen beginnt und durchgehend mindestens 14 Tage anhält.