Gynäkologische Psychosomatik

Auch bei Erkrankungen unterschiedlichster Art, davon geht die psychosomatische Medizin aus, macht das Unbewusste seinen heimlichen, uns oft unheimlichen Einfluss geltend.Vulkane brechen aus, wenn der Druck im Inneren der Erde eine kritische Marke überschreitet. Dann rumort und brodelt es aus den Tiefen und rotglühende Magmamassen quellen aus dem Bauch der Erde hervor. Es wäre unlogisch und nicht zu verstehen, warum dieses „Vulkanverhalten“ nur bei „Mutter Erde“ auftreten sollte und bei und Menschen, welche wir ein mindestens genauso ein komplexes und kompliziertes Inneres Gleichgewicht, haben nicht. Da aufgrund des Kindergebärens durch die Frau, der bewusster erlebten weiblichen Lebensabschnitte, (Menarche, Geburt, Menopause) und vielleicht auch dadurch, dass die weibliche Seele und Physe etwas komplexer als die des Mannes ist, ist es durchaus nachvollziehbar, dass somit psychosomatischen Störungen bei Frauen etwas häufiger auftreten als bei Männern.

Wichtig ist mir unbedingt zu erwähnen, dass eine seriöse Psychotherapie bei Patienten mit psychosomatischen Beschwerden nur dann erfolgen kann, wenn es vorher eine genaue fachärztliche Abklärung durch einen Facharzt gab und dieser eine somatische Ursache für die Erkrankung ausgeschlossen hat. Ferner sehe ich es persönlich als wichtig an, auch während einer psychotherapeutischen Therapie den Kontakt zum Facharzt aufrecht zu erhalten um gegebenenfalls nach einer gewissen Zeit eine medizinische Kontrolle durchführen zu lassen.

Nun einige wenige Beispiele von gynäkologisch – psychosomatischen Krankheitsbildern:

Die sekundäre Amenorrhö, nämlich das vorübergehende Aussetzen der Periode (Regel) unter seelischen Einflüssen gehört zu den häufigsten psychosomatischen Beobachtungen, die Fachärzte machen können. Bei 2/3 der Patienten sind situative Einflüsse wirksam, etwa die Auswirkungen von Schreckmomenten, Traumatisierungen, Angst, allgemein lang anhaltender Stress, massive partnerschaftliche Probleme oder andere psychische Störungen.

Schon Hippokrates hat in seinen Aufzeichnungen 12 Fälle von Scheinschwangerschaft (Pseudogravitität) beschriebene, diese heute seltene Form einer psychogenen Somatisierung zeigt jedoch in welchen Ausmaß sich unter autosuggestiven (einbildenden) Vorstellungen sich der weibliche Körper verändern kann.

Am Beginn oder im Laufe des Klimakteriums der Frau treten häufig in unterschiedlicher Stärke psychosomatische Beschwerden wie Gewichtsab- oder zunahme, Hitzewallungen, Verstimmbarkeit, Schlafstörungen, Depressionen, Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Antriebshemmungen, oder eine abnorme Triebhaftigkeit auf. Diese psychischen Symptome lassen sich kaum bei allen alleine auf eine hormonelle Disharmonie und Umstellung zurückführen. Auch die sexuelle „Torschlusspanik“ ist sicher nicht Folge einer hormonalen Veränderung sie hat oft den Stellenwert einer Bilanzierung des bisherigen Lebens für die Frau.

In den letzten Jahren haben deutsche Studien gezeigt, das 1/3 aller Frauen welche unter chronischen bzw. immer wiederkehrenden Ausfluss (Fluor vaginalis) leiden, ein gespaltenes Verhältnis zu ihren Genitalregionen haben. In der klassischen Psychosomatik gilt der sogenannte therapieresistente Fluor vagninalis zunächst einmal als Symbol für gestörte Sexualität oder – anders formuliert – für eine gestörte Sexualbeziehung. Generell kann festgestellt werden, dass die Ursache für einen chronischen Fluor überwiegend und eng mit Abwehr oder Verweigerung bestimmter Situationen zutun hat.

Unklare Unterbauchschmerzen (Pelipathie – Syndrom) können bei Frauen jeden Alters und Kultur auftreten. Die stechenden, brennenden, drückenden, oder ziehenden Schmerzen können unerwartet kommen und plötzlich wieder verschwinden, sie können jedoch auch über viele Stunden und Tage anhalten. Die Mehrzahl der Unterbauchschmerzen treten großteils bei oder nach bestimmten Tätigkeiten oder Gefühlsregungen auf (daher ist für den Arzt und Psychotherapeuten wichtig zu wissen, wie Sie sich fühlten bevor die Schmerzen kamen). Ferner schildern betroffene Frauen, dass die unklaren Unterbauchschmerzen zu bestimmten Tageszeiten wie zum Beispiel am Abend oder vor dem Schlafengehen häufiger beginnen oder zunehmen, oder aber während oder nach dem Geschlechtsverkehr am stärksten sind. Aus psychologischer Sicht wird das klassische Pelipathiesyndrom als eine Reaktion auf lebensgeschichtliche Zusammenhänge und auf ungelöste unbewusste Konfliktproblematiken angesehen. Diese Konfliktbereiche könnte die Partnerbeziehung betreffen, oder aber wir finden die Schwierigkeit im Spannungsfeld zwischen Überforderung auf der einen Seite und ungenügender Abgrenzung auf der anderen Seite. Weiters können auch nicht verarbeitete Trennungs – oder Verlustängste unklare Unterbauchschmerzen verursachen. Weitere Ursachen für eine Pelipathie können sein: Angst vor einer unerwünschten Schwangerschaft, frühe sexuelle Übergriffe oder Missbrauch, Gewalt in der Familie, unterdrückte Sehnsüchte oder ein sexueller Leistungsdruck des Partners.

Abschließend zu diesem Kapitel noch einige Sätze zur psychischen Belastung von Blasenfunktionsstörung bei Frauen (Miktionsstörungen): In der traditionellen chinesischen Medizin und auch aus moderner psychosomatischer Sicht gilt die Blase als „Organ“ des Druckausgleichs. Anatomisch entspricht diese Definition genau der Wirklichkeit. Druck entsteht jedoch nicht nur aus körperlichen Gründen durch die volle Blase, sondern auch psychisch (wer hat noch nicht gehört, dass man wegen Angst in die Hose macht ?). Menschen mit tiefsitzender Lebensängsten haben oftmals Blasenprobleme, heißt es in der fernöstlichen Medizin, die das Hohlorgan der Blase daher auch als „Auffangbecken der Angst sehen.“ Nach einer deutschen psychosomatischen Theorie haben Frauen mit chronischen Blasenleiden ihr eigenes Urvertrauen in sich selbst und in andere oft nicht entwickeln können, da es schon in der Frühen Eltern –Tochterbeziehung zu zwischenmenschlichen Störungen kam. Der unwillkürliche, somatische nicht erklärbare Harnabgang bei Reizblase, Bettnässen, Harn – Inkontinenz wir aus psychosomatischer Sicht, deshalb auch verstanden als „weinen nach unten.“ Nicht über die Tränendrüsen war bei Angst oder anderen starken Gefühlen der Druckausgleich möglich, denn dies wurde den Betroffenen meist schon früh verboten und abgewöhnt – als einzige Alternative blieb daher die Blase für einen psychischen Druckausgleich über.